M(EA) Culpa? – Mach den Test!

Der etwas anderer Psycho-Test irgendwo zwischen Kapitalismuskritik, Nerd-Rage & Schuldgefühlen.

Machen wir uns nichts vor: Wir leben in einer Zeit, in der selbst eingefleischte Religionskritiker an den Teufel glauben. Die Vorstellung von einer in rechtschaffen-gut und chaotisch-böse gespaltenen Welt wurde uns ja auch bereits kurz nach der Geburt in die kollektiven Gaming-Wiegen gelegt und so erscheint die atheistische Hölle auf Erden bei genauerer Betrachtung gar nicht mal so verrückt. Wer oder was hier genau gemeint ist? Ein kleiner Hinweis vorneweg:

Mass Effect 3 ist in deinen Augen…

a) ganz klar der beste Teil der Serie! Reapern auf’s Maul! Pew! Pew! Pew!
b) ein episches Rollenspiel, nur das Ende war irgendwie ein bisschen doof glaub ich.
c) mitverantwortlich für den Untergang des Abendlandes.

Selbst der unaufmerksame Leser wird vermutlich längst ahnen, dass es sich hier natürlich um die berüchtigte Promi-Ehe des ersten und fünften Buchstaben des Alphabets handelt: EA ist als selbsternanntes Unternehmen der elektronischen Künste schon lange mehr als ein gewöhnlicher Publisher oder Developer, es ist im Laufe seiner Firmenentwicklung zu einem raubtierkapitalistischen Symbol erwachsen. Und genau hier setzt die Erklärung des beschriebenen Dämonisierungsprozesses an, denn entgegen aller naheliegenden Annahmen wird das Electronic Arts-Studio schon lange nicht mehr mit künstlerischem Anspruch oder Kreativität in Verbindung gebracht, sondern in der öffentlichen Debatte mittlerweile eher als hemmungslos kapernde Piratenbande wahrgenommen.

Wenn du dir mit Freunden eine Pizza teilst, dann…

a) isst du ALLES! Dein Hunger kennt weder Grenzen noch Moral! ARRR!
b) isst du, was dir von den anderen überlassen wird. Fehlende Stücke werden notfalls nachgekauft.
c) isst du gar nichts, weil die Tomaten nicht aus biologischer Landwirtschaft stammen.

Doch damit nicht genug; sämtliche moralisch fragwürdigen Aktionen EAs scheinen in bester Freibeuter-Manier mit lässig über dem Schritt gewölberter Hand und rüden Hüftschwüngen gen breite Masse zu geschehen, die untätig am Ufer steht und sich spätestens pünktlich zum nächsten DLC-Debakel fragt, ob das alles wirklich noch mit rechten Dingen zugeht.

DLC’s findest du…

a) affenstark. Mehr Level, mehr Story, mehr Gegner, mehr Pew!
b) Ganz okay.
c) latent kotzreiz-induzierend. Würg.

Und wo sind eigentlich die Menschen und Studios abgeblieben, deren hauptsächliche Motivation es war, persönlichen Visionen mit Hife des Mediums Videospiel Ausdruck zu verleihen? Man vermisst sie heutzutage auf dem oft befahrenen Mainstream. Die Antwort scheint in vielen Fällen simpel: Entweder per gut gezieltem Kanonenschuß versenkt oder zum rhytmischen Rudern im Gleichtakt mit ins Piraten-Boot geholt.

Ungeachtet deiner Antwort von eben, für wie viele DLC’s hast du tatsächlich schon dein hartverdientes Geld pulverisiert?

a) Ich habe aufgehört zu zählen.
b) Einige.
c) Keinen Einzigen. Hier geht’s ums Prinzip!

Das ist wohl eine der traurigsten Konsequenzen der geldgierigen Seeräuber-Action à la EA: die unumgängliche Homogenisierung des Videospielmarktes. Vom lieblichen Mythos des Spiels als autonome Kunstform hat man in der wirtschaftlich dominierten Realität schon lange abgeschlossen, auch wenn es keiner so recht zugeben will.

Indie-Spiele, wie Braid , Limbo und co. sind…

a) laaame.
b) ganz niedlich.
c) wahre Kunst und grundsätzlich unterstützenswert!

Man muss gar nicht erst Adorno oder sonstige Vertreter der kritischen Theorie studiert haben, um zu wissen, dass diese kulturindustrielle Entwicklung in unserem kapitalistischen System leider nur eine logische Konsequenz ist. Spiele sind ja eigentlich auch schon immer Waren gewesen. Jedoch soll es einmal ein gütigeres Zeitalter gegeben haben, in dem noch gar nicht so viele Konventionen existierten, die in Stein gemeißelt hätten werden können und es so tatsächlich noch Raum für ehrliche Innovationen und Individualität gab.

Nimm mich mit auf den Rummel, nimm mich mit auf den Rummelplatz…

a) Ab zur Achterbahn! Schnell, adrenalingeladen und fest-gleisig linear, SO sieht Spaß aus!
b) Autoscooter, Schieß-Stand oder Geisterbahn, ich probiere alles, was mir geboten wird.
c) Mich findet man bei der abendlichen Show der exotischen Ganzkörper-Artisten aus Übersee. Ich geh‘ schonmal mein Opernglas holen.

All dies führt uns unweigerlich zu dem Schluß, dass es im Grunde viel zu einfach ist, polarisierenden Feindbildern wie EA die gesamte Schuld in die Schuhe für diese Entwicklung in die Schuhe zu schieben. Das eigentliche Problem ist bereits in den kleinsten Zahnrädchen der Gesamtmaschinerie angelegt und auch wenn ein paar „teuflische“ Firmen einen großen Teil zur Gestaltung des Marktes beigetragen haben, so sind ihre Erfolge und Optionen letztendlich auch nur das Resultat eines größeren Rahmenkonzepts. Und wer sind wir überhaupt zu urteilen, wir Ufer-Steher und Nichts-Tuer? Sind wir nicht vielleicht sogar ein genauso großer Teil der ganzen Misere wie EA selbst?

Kickstarter: Yay or Nay?

a) Yayyy. Ich mag Motorräder. Brum-Brrum.
b) Nay. Noch nie benutzt.
c) Yay. Jeden Tag eine gute Tat!

Treiben wir diese provokante These in schönstem Wir-sind-Deutschland-Stil doch einfach mal auf die Spitze und gestehen wir uns ein, dass wir eventuell alle ein bisschen EA sind. Glaubst du nicht? Dann sei nun dazu bereit, in die tiefsten Abgründe deiner Seele zu blicken und finde es heraus…

Überwiegend a): 100% EA

Herzlichen Glückwunsch! Du bist ein schnelllebiger Hedonist mit kurzer Konzentrationsspanne, der sich nach eigenem Gusto über Sitte und Moral hinwegsetzt. Eventuell reift mit dir bereits der nächste oppurtunistische Publisher-Tyrann zu voller Stärke heran. Trinkt aus Piraten, Yo-ho!

Überwiegend b): 50% EA

Persönlichkeitsprofil Zahnrad: Auch wenn dir Kapern und Brandschatzen selbst eher nicht so liegt, hat dein passives Naturell und unbekümmertes Verbrauchertum EA zweifelsohne die ein oder andere Dukate auf’s Deck gepfeffert. Auf die stille Treppe!

Überwiegend c): 0,0% EA

„Hipster“, „Snob“ und „Spaßbremse“ sind dir sicherlich keine Fremdwörter. Doch das kann dir eigentlich egal sein, denn jegliche Ironie einmal beiseite: Würden sich alle Gamer nur eine kleine Scheibe von deinem reflektierten und ausgewählten Konsumverhalten abschneiden, ginge es auf den Weltmeeren wieder etwas gerechter zu. Meuterei auf der Bounty!

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