Zum Glück gibt es so viele scheiß Spiele

Die Videospiele heutiger Zeit sind drogenabhängige Prostituierte. Die großen Konsolen zu Opfertempeln verkommen. Wir stehen am Rande der Szenerie und blicken über eine sich meilenweit erstreckende Ödnis. Zu beiden Seiten sinken die Gefährten auf die Knie und verfluchen ihren Gott. Sie rufen ihn an, er möge diese Welt mit einer Sintflut überdecken, auf dass diese Grausamkeit dem Blick verwehrt bliebe. Also sprach Gott, so sei es denn, und er öffnete des Himmels Schleusen. Und die Fluten verschlangen die Erde und all die Ungestalten, die auf ihr wanderten. Fortan ward die Ödnis niemals wieder gesehen.
Die Gottesanbeter jedoch trieben durch das unendliche Meer. Regungslos und ohne Ziel. Denn sie wussten nicht, wohin sie zuerst schwimmen sollten.

Dabei ist die Landschaft wahrlich nicht so trist und öd. Wandert man durch sie, so entdeckt man, wenn man genauer hinschaut, viele kleine grüne Pflanzen, welche sich aus dem zerklüfteten Boden herauswinden, die Blühen und sich der Sonne entgegenstrecken. Und vielleicht findet man auch die ein oder andere Oase.

Trennen wir uns nun aber einmal von diesen auf die Dauer dann doch anstrengenden Metaphern und Vergleichen und blicken wir in die Realität. Während die PlayStation 4 und die Xbox One nun offiziell zu kaufen ausverkauft sind, werden sie wieder laut. Stimmen, die diese derzeitige Entwicklung anprangern. Jene, welche den Missstand, die Spieleindustrie richte sich ausschließlich nach dem wirtschaftlichen Kalkül, anstatt nach der künstlerischen Werkschöpfung, aufzeigen. Wonach spielerische Innovation und freie Entfaltung des Gamedesigns – lassen wir den Begriff an dieser Stelle mal so abstrakt stehen – beiweitem nicht die notwendige Relevanz sowohl in der Produktion als auch in der Rezeption genießen. Ich bin nicht so verklärt diese Kritik abzustreiten. Löst man sich von dieser ideellen Perspektive und nimmt einen realistischeren Standpunkt ein, so muss ich allerdings offen zugeben: ich find das alles eigentlich ganz gut.

Ich bin sehr froh, dass es so viele Spiele gibt, die es für mich nicht Wert sind gespielt zu werden. Ohnehin bin ich derzeit schier überfordert mit all der Spielemasse, die sich, um bei der anfänglichen Metapher zu bleiben, Sintflutartig auf mich niederschlägt. Dass es sich dabei nur um einen Bruchteil der aktuellen Spiele handelt verdeutlicht die Dramatik, welche sich auftun sollte, wären alle anderen Spiele plötzlich genial und spielenswert. Ich bin froh, dass ich zu einem Farming Simulator 2014 kategorisch nein sagen kann. Dass ich ein neues Call of Duty prinzipiell von meiner Liste streichen darf. Und dass mich ein neues Need for Speed allgemein sowieso nicht interessiert, um einmal die plakativsten Langweiler der aktuellen Spieleindustrie zu erwähnen.

Jedes Jahr erscheinen hunderte neuer Spiele. Dies geschieht nicht erst seit den letzten zwei Jahren. Bereits 1982, zehn Jahre vor meiner Geburt und ein Jahr vor dem großen Video Game Crash, waren es laut höchstwissenschaftlichen Quellen 21 vermerkte Spiele, die ihren Weg auf den Markt fanden. Dazu zählten unter anderem E.T. the Extra-Terrestrial und der zweite Teil der Ultima Reihe. Beide fanden auf unterschiedlichste Arten ihren Platz in die Videospiel-Analen. Vor allem die Ultima Reihe ist eine solche, die vor meiner Geburt erschien und die mich auch heute noch Reizen würde zu spielen. Doch vorerst muss der Berg von aktuellen interessanten Spielen, welcher sich vor mir auftürmt, erklommen werden. Sollte mir die Industrie mit ihren uninteressanten Spielen genügend Zeit vergönnen, so werde ich mich irgendwann auch den alten Machwerken zuwenden können.
Auf der anderen Seite scheint es nahezu lächerlich sich mit einem solchen Vermächtnis, welches E.T. Hinterließ, über den aktuellen Missstand der Spieleindustrie zu brüskieren.

Solche Machwerke wie E.T. müsste man öfter Spielen. Welch ein erhebendes Gefühl es sein muss, nach einem grausamen, nahezu quälendem Erlebnis ein Spiel wie Super Meat Boy auf dem Bildschirm zu sehen. Das Erstlingswerk von Team Meat wäre gleich doppelt so gut, als wenn man es in einer Reihe mit anderen grandiosen Spielen, welche es zweifelsohne in unserer heutigen Zeit auch noch gibt, erleben würde. Dem eigenen Empfinden tut es gut, zwischen all dem Wein ab und an auch einmal Käse zu essen. Ist man längere Zeit über trockene Ebenen gewandert und findet eine Wasserstelle, so wird man nach den ersten kräftigen Schlücken feststellen, dass noch kein Wasser so erfrischend und lecker war, wie dieses, dass soeben die Lippen benetzt.

Ich saß lange genug an meiner Oase und habe mich gestärkt. Ich bin nun bereit zum Aufbruch, erhebe mich und wandere zur nächsten Oase, welche ich in einiger Entfernung schon sehen kann. Auch wenn diese eine Fata Morgana ist, so sehe ich doch überall vereinzelte grüne Flecken in all dieser tristen Landschaft. Und sollte sich einmal kein Fleck Hoffnung in der Wüste vor mir auftun, so werde ich zurückschauen und die alles überragenden Bäume der Vergangenheit betrachten. Darüber bin ich froh.
Schwimmen kann ich sowieso nicht.

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